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Fassadensanierung des Hochhauses am Goetheplatz


Fertigstellung:
2000

Adresse:
Goetheplatz 2, 88214 Ravensburg

Bauherr:
Eigentümergemeinschaft Hochhaus Goetheplatz
 
Gesamtkosten:
604.500 DM / 309.000 Euro


Erläuterungen:
Zur Geschichte (zitiert aus www.riempp-net.de):

"Anfang der 1950er Jahre beschloss die Stadt Ravensburg am südlichen Ende des mittelalterlichen Stadtkerns ein modernes Hochhaus zu bauen. Den dafür veranstalteten Architektenwettbewerb gewann das Architekturbüro Riempp. Der Entwurf sah einen in zwei versetzte Teile gegliederten Baukörper vor. Bei der Realisierung trat aber ein zunächst unüberwindbar scheinendes Hindernis auf: Der Baugrund war stark wasserhaltig (ehemaliger Seegrund) und deshalb für die enorme Traglast eines Hochhauses nicht geeignet. Das Projekt stand vor dem Aus. Hans Riempp gab aber nicht auf, sondern entwickelte gemeinsam mit einem Statik-Professor ein bis dahin neues Schwimmfundament. Im Laufe der ersten Jahre sollte sich das Hochhaus um etwa einen Meter absenken und so den Seegrund unterhalb des Fundaments soweit verdichten, dass dieser die notwendige Tragfähigkeit und Stabilität aufweisen würde. Um der Gefahr eines ungleichmäßigen Absenkens und damit einem "schiefen Turm von Ravensburg" vorzubeugen, waren unten im Fundament lauter kleine Druckkammern eingebaut, die man bei einem drohenden Schiefstand mit Hydrauliköl aufpumpen konnte, um somit das Gebäude wieder ins Lot zu bringen. Alle Zuleitungen und Abwasserrohre sowie die Eingangstreppe wurden flexibel ausgelegt, damit sie sich beim allmählichen Absinken des Hochhauses mitbewegen konnten.

Das Hochhaus wurde gebaut und senkte sich in den ersten fünf Jahren wie berechnet um etwa einen Meter ab, zum Glück gleichmäßig und damit ohne Schiefstand. Seitdem steht das Gebäude stabil auf seinem Schwimmfundament im wässrigen Seegrund. An der Eingangstreppe wurden in den ersten Jahren immer wieder Treppenstufen abgenommen, bis sie schließlich passte.

Auch die architektonische Gestaltung war eine Herausforderung. Auf dem kleinen Baufenster lockerte Hans Riempp den Baukörper durch zwei versetzt stehende Teile auf. Als passiven Sonnenschutz setzte er vor die Südfassade eine Rippenstruktur. Die obersten drei Stockwerke waren für das Hotel und Restaurant Europa ausgelegt, wobei das rundum verglaste Penthouse das Restaurant mit Panoramablick auf Bodensee und Alpen beherbergte - zur damaligen Zeit eine Sensation!

Das Hochhaus am Goetheplatz ist zu einem Wahrzeichen der Stadt Ravensburg geworden und bis heute geblieben."


Maßnahmen:
Ich habe in den 70er Jahren im Büro Hans Riempp meine ersten praktischen Erfahrungen als junger Architekt gesammelt. Dabei berichtete Riempp oft über sein Werk und wie er sich vom brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer beim Entwurf hatte leiten lassen. Bei der Sanierung der Fassade, insbesondere bei der Farbgebung, wurde Hans Riempp von mir beratend hinzugezogen.

Besonders die Betonlamellen an der Südseite waren durch die Luftverschmutzung stark angegriffen und drohten zum Teil herabzustürzen. Es musste deshalb eine aufwendige Betonsanierung mit zusätzlichen statischen Maßnahmen durchgeführt werden. Dabei sollte das ursprüngliche Erscheinungsbild nicht verändert werden. Ein auf die waagrechten Lamellen aufgebrachtes Gefälle nach vorn verhindert zukünftig, dass die Schmutzablagerungen bei Schlagregen gegen die Fassade geleitet werden. Dies hatte in der Vergangenheit immer wieder zu erheblichen Schmutzfahnen am Außenputz geführt.